Volkskrankheit
Schnarchen
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von Prof. Hartmut Michalski
Erschienen
in Super Illu am 19. Mai 2006
Experten
schätzen, dass 10 bis 30 Prozent der Bevölkerung schnarchen.
Bei den Männern über 50 tut’s sogar jeder Zweite.
- Wie entsteht das nervende
Geräusch?
Durch
Vibrationen im Nasen-Rachenraum. Zwei Stellen kommen in Frage.
Das ist einmal am Gaumensegel, das den Oberkieferknochen nach hinten
fortsetzt und im Zäpfchen endet, zum anderen am Zungengrund
in der Tiefe des Mund-Rachenraums.
- Warum vibriert es da
auf einmal?
Weil
das Gewebe erschlafft ist oder sich vermehrt hat, z.B. bei Übergewichtigen
durch Fetteinlage
- Ist Schnarchen gefährlich?
Nur
bei etwa fünf Prozent der Schnarcher. Bei ihnen kommt es im
Schlaf zu Atemaussetzern, die zehn Sekunden oder länger dauern.
Wir sprechen von Schlafapnoe, abgeleitet vom griechischen Wort »apnoia«.
Das bedeutet Atemlosigkeit. Die Schnarcher merken nichts davon.
- Wie kommen diese Atemaussetzer
zustande?
Sie
entstehen durch einen vorübergehenden kompletten Verschluss
der Atemwege,z.B.durch das Absinken des Zungengrundes, manchmal
auch durch eine Störung des Schlafzentrums im Gehirn.
- Was ist daran so gefährlich?
Es
kann zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen, z.B. schwerer
Müdigkeit am Tag,Konzentrationsschwäche, erhöhtem
Blutdruck, Depressionen. Auch das Risiko für Herzrhythmusstörungen,
Herzinfarkt und Schlaganfall steigt stark an.
- Wann sollte man zum Arzt
gehen?
Bei
jedem lauten Schnarchen, das einen selbst oder den Partner weckt.
Wichtig ist der Arztbesuch auch, wenn man tagsüber ständig
müde ist. Das kann ein Hinweis auf Schnarchen mit Atemaussetzern
sein.
- Welcher Facharzt ist
zuständig?
Der
Internist oder HNO-Arzt kann an ein Schlaflabor überweisen.
Dort wird der Schlaf des Patienten durch Sensoren auf der Haut,
Videokamera und andere Geräte überwacht. Gemessen werden
u.a. Herzschlag, Hirnströme, Augenbewegungen, Sauerstoffgehalt
im Blut.
- Kann Schlafapnoe geheilt
werden?
Nein,
aber mit einer Schlafmaske können in vielen Fällen die
Beschwerden beseitigt werden. Eine Maschine führt mit Überdruck
Luft zu. Der Druck erweitert den Nasen-Rachenraum, verhindert so
die bedrohlichen Atemaussetzer.
- Können auch Probleme
mit der Nase zum Schnarchen führen?
Ja,
z.B. wenn die Nasenatmung behindert ist. Ich schätze, dass
jedem zweiten Schnarcher eine Behandlung in diesem Bereich helfen
kann. Deshalb überprüft der HNO-Arzt immer zuerst Nase
und Nasennebenhöhlen.
- Wodurch kann die
Nasenatmung behindert sein?
Meistens
liegt es an einer schiefen Nasenscheidewand. Auch Schwellungen
der Nasenmuscheln können den Luftstrom stören. Das sind
Schwellkörper an der Innenseite der Nasenwände. Sie steuern
die Menge der Atemluft, schwellen bei Kälte an, damit nicht
zu viel kalte Luft einströmt. Ebenso können Auswachsungen
der Schleimhaut, so genannte Polypen, sowie vergrößerte
Gaumen- und Rachenmandeln die Atmung behindern.
- Was kann der Arzt dagegen
tun?
Eine
schiefe Nasenscheidewand kann in einer ambulanten Operation durch
die Nasenlöcher hindurch schonend begradigt, Polypen entfernt
werden. Bei zu großen Nasenmuscheln hat sich der Kohlendioxid-Laser
bewährt. Seine Hitzewirkung beseitigt Gewebe in den Muscheln,
durch die folgende Vernarbung ziehen sie sich zusammen. Vergrößerte
Gaumen- und Rachenmandeln werden chirurgisch entfernt.
- Im Handel gibt es verschiedene
Anti-Schnarch-Produkte wie Nasenpflaster, Aufbiss-Schienen oder
Geräte zur Stimulation der Muskulatur in Unterkiefer und Mundboden.
Welche davon können wirklich helfen?
Wer
einen Eingriff beim Arzt scheut, wird vielleicht zu solchen Hilfsmitteln
greifen. Doch eine Erfolgsgarantie gibt es bei diesen Produkten
nicht. Es liegen auch keine großen Vergleichsstudien dazu
vor. Nur eins ist klar: Wundermittel gegen das Schnarchen gibt
es nicht.
- In HNO-Praxen und Kliniken
werden verschiedene Operations- Methoden gegen das Schnarchen angeboten.
In welchen Fällen sind sie sinnvoll?
Wenn
die Hauptursache eindeutig ein zu schlaffes Gaumensegel ist. Dieses
ist, im Gegensatz zum Zungengrund, auch von außen gut zugänglich.
Es kann operativ, mit dem Laser oder mit Radiofrequenzenergie verkleinert
werden. Da es sich bei normalem Schnarchen nicht um eine Krankheit
handelt, bezahlen die Krankenkassen diese Operation in der Regel
aber nicht.
- Welchen Anti-Schnarch-Eingriff
empfehlen Sie?
Ich
wende seit längerem den Laser an, bevorzuge inzwischen aber
die Radiofrequenz-Volumenreduktion, abgekürzt RaVoR oder RAUP.
Dabei wird das Gewebe nicht wie beim Laser durch große Hitze
verbrannt, sondern durch Wärme so verändert, dass eine
Narbe entsteht. Dadurch zieht sich das Gewebe zusammen, das Gaumensegel
wird gestrafft. Es fließt kein Blut.
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